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Zehn Voraussagen über die Entwicklung im P2P-Kreditmarkt 2020

Vorhersage

Ich möchte die neue Dekade zum Anlass nehmen, einmal die Glaskugel hervorzuholen um die Entwicklung im P2P-Kreditmarkt 2020 anzuschauen. Dieser Artikel stellt zehn Voraussagen auf, womit wir in Bezug auf Plattformen, Anbahner, Zinsniveau und Umfeld im Jahr 2020 rechen können.

Die voraussichtliche Entwicklung im P2P-Kreditmarkt 2020

1. Der Markt wird insgesamt weiter wachsen.

Auch in 2019 ist der P2P-Markt weiter gewachsen. Wir konnten stetig zunehmende Kreditvolumen beobachten, neue Darlehensanbahner und Plattformen sowie eine steigende Anzahl von Investoren und deren durchschnittliches Investitionsvolumen.  Aktuell sind keine Indikationen für eine Änderung dieses Trends ersichtlich. Vielmehr sind in den meisten Bereichen große Wachstumspotentiale erkennbar, sodass ich von einem anhaltend starken Marktwachstum ausgehe.

2. Es wird zu einer Konsolidierung bei den Plattformen kommen.

Insbesondere in den letzten beiden Jahren sind eine Vielzahl von P2P-Unternehmen gegründet worden. Während man teilweise eine Spezialisierung und damit ein Alleinstellungsmerkmal der Plattform beobachtet, sind viele Plattformen von Funktionalität und Angebot eher Kopien bestehender Plattformen. Trotz eines großen Marktpotentials wird es zu einer Konsolidierung kommen. Überleben werden die Plattformen, die durch ihre Marktposition und ihr Angebot stetiges Wachstum erreichen und so bessere Skaleneffekte erzielen.

3. Das Zinsniveau guter Kreditanbahner wird sich bei gut 10 % einpendeln, sofern die Leitzinsen nicht steigen.

Die Zeiten in denen Verbraucherkredite von guten Anbahnern Zinssätze von 15 % oder mehr einbrachten werden – sofern wir keine wesentliche Änderung beim Leitzins sehen – selten. Darlehensanbahner wie Creditstar, Mogo und IuteCredit haben in 2019 schon ihre Refinanzierung auf eine breitere Basis gestellt und Unternehmensanleihen mit Zinssätzen zwischen 9,5 % und 13 % emittiert. Eine Finanzierung über P2P-Plattformen bietet den Anbahnern immer noch etwas mehr Flexibilität, jedoch wird der Zinsaufschlag hierfür relativ gering sein.   

4. Kreditanbahner werden sich zunehmend auch über institutionelle Kreditgeber refinanzieren.

Die Ausgabe von Unternehmensanleihen und andere Refinanzierungsformen mit institutionellen Kreditgebern dürften bei den größeren Anbahnern zunehmend an Bedeutung gewinnen. Mit zunehmender Erfahrung wissen die Kreditanbahner sehr gut, welche Volumina sie in den nächsten Monaten mindestens absetzen können. Hier kann man davon ausgehen, dass zumindest ein Teil des Basisvolumens zukünftig nicht mehr über P2P-Plattformen finanziert wird.

5. Einige Fälle von Anlagebetrug werden aufgedeckt.

Mit der Flut von neuen Investoren mit viel Kapital werden auch kriminelle Personen und Organisationen angelockt. Insbesondere Unternehmenskredite mit Kreditvolumen im Millionenbereich sind hierfür anfällig, da nur wenige „miese Kredite“ erfolgreich an den Investor gebracht werden müssen. Schon heute sind bei einigen Plattformen in diesem Bereich sehr große „red flags“ und wir sehen Projekte, deren Beschreibung diesen Namen nicht verdient. Man muss damit rechnen, dass sowohl bei den Projekten als auch bei den Plattformen nicht nur solide Unternehmen am Werk sind. Ein gutes Risiko-Management war und ist die Grundlage einer rationalen Investitionsstrategie.

6. Regulierung und Einhaltung lokaler Rahmenbedingungen wird für Kreditanbahner noch wichtiger.

Bisher haben sich nur sehr wenige Investoren mit dem Stichwort Regulierung und rechtliche Rahmenbedingungen beschäftigt. Naturgemäß operieren viele Unternehmen hier in einem Graubereich, da entsprechende Regularien und Gesetze noch nicht oder nicht hinreichend existieren. Zunehmend rückt der P2P-Markt aber in den Fokus von Legislative und Zentralbanken. So zeigen die Fälle im Kosovo sowie auf den Philippinen, dass lokale Institutionen hart durchgreifen können – und dies wie bei Monego zur Bedrohung der Existenz und damit auch für uns zu großen Risiken führen kann. Jedoch ist Regulierung nicht negativ zu sehen; es besteht auch die Chance, dass Investoren langfristig durch einen klar definierten Rahmen und Kontrollen zu mehr Sicherheit kommen.

7. Der regionale Fokus auf Osteuropa wird um Angebote für Kredite in Afrika und Lateinamerika erweitert.

Während der Großteil der P2P-Kredite auf Plattformen wie Mintos, Bondora, Estateguru und Co. noch aus dem osteuropäischen Raum stammen, konnten wir schon in 2019 eine regionale Verbreiterung beobachten. Mit neuen Darlehensanbahnern wie beispielsweise  Watu Credit haben Investoren mehr Optionen für die Geldanlage in Afrika. Und mit ID Finance hat ein großer Kreditanbahner 5 Mio. £ via Crowdfunding gesammelt, um seine Wachstumsstrategie in Mexiko und Brasilien umzusetzen. Während Märkte wie Spanien oder Baltikum bereits intensiver umkämpft sind, bieten andere Länder noch große Chancen, sodass mit weiterer regionaler Expansion gerechnet werden kann.

8. P2P-Kredite werden als neue Assetklasse bei neuen Investoren erkannt und genutzt.

Während das Stichwort P2P-Kredite vor wenigen Jahren im europäischen Raum quasi unbekannt war, steigt die Popularität und Bekanntheit stetig. Die Anzahl von Zeitungsartikel zu P2P-Anlagen in 2019 war so hoch wie nie zuvor. Auch beginnen erste Unternehmen um Investoren mittels TV Spots zu werben. Sicherlich wird die Zahl der Investoren in 2020 weiter ansteigen, zumal eine Anlage in die Assetklasse P2P-Kredite sich bei guter Rendite auch positiv auf die Diversifikation in einem Portfolio auswirken kann.

9. P2P-Unternehmen dringen in Geschäftsbereiche klassischer Banken ein.

Zurzeit operieren P2P-Plattformen und Darlehensanbahner im Wesentlichen in Bereichen, die für klassische Banken durch unattraktiv sind. In der Regel ist der Umfang der angefragten Verbraucher-, Immobilien- und Unternehmenskredite so gering, dass es sich für die Bank aufgrund hoher Prozesskosten wirtschaftlich nicht lohnt. Die Fintech-Unternehmen im P2P-Bereich nutzen hier die Möglichkeiten der Digitalisierung, um den Kreditprozess weitaus effizienter durchzuführen. Dies ist für Kleinkredite essenziell. Gleichzeitig würden natürlich auch größere Kredite von einem effizienteren Prozess profitieren. Und auch Abseits des Kreditgeschäfts gibt es bereits Überlegungen, das Angebot beispielsweise um Debitkarten zu erweitern. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann die ersten P2P-Unternehmen auf im Geschäftsbereich klassischer Banken tätig werden. Ebenso ist auch eine Kooperation zwischen klassischer Bank und P2P-Plattform/ Darlehensanbahner  gut vorstellbar.

10. Eine Plattform für Unternehmenskredite wird sich als Marktführer in Position bringen.

Die oben bereits erwähnte Konsolidierung wird voraussichtlich zuerst innerhalb eines bestimmten Kredittyps erfolgen. Für Verbraucherkredite hat sich in den letzten Jahren Mintos zum Platzhirsch entwickelt und durch das Wachstums-freundliche Geschäftsmodell wird das Unternehmen in 2020 weiter seine Position festigen. Für Immobilien-besicherte Kredite hat Estateguru die besten Chancen auf die Rolle des europäischen Marktführers. Die Plattform hat mittlerweile mehrere Jahre Geschäftstätigkeit ohne Kapitalverlust für die Anleger hinter sich gebracht und wächst weiter stark. Bei Unternehmenskrediten konnte sich bisher noch kein Unternehmen herausbilden. Gleichwohl ist dies ein spannender Markt mit großem Potenzial, sodass man davon ausgehen kann, dass sich die ein oder andere Plattform hier gerne die Krone aufsetzen möchte.

Fazit

Insgesamt sollte uns das Jahr 2020 sehr positiv stimmen. Die Signale stehen für den P2P-Kreditmarkt weiter auf Wachstum und die Aussichten sind gut. Auch wenn wir voraussichtlich keine Traumrenditen mehr erzielen werden, so können wir mittlerweile unsere Investitionen mit P2P-Unternehmen durchführen, die sich über mehrere Jahre bewährt und dabei eine gute finanzielle Basis erwirtschaftet haben. Wichtig wird es sein, genau auf diese soliden Unternehmen zu setzen, um bei Themen wie Konsolidierung und Regulierung auf der Gewinnerseite zu sein.

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