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Analysen und Hintergrundinformationen zu Investments in P2P-Kredite

Grundlagen

Der Sekundärmarkt: Ziele und Funktionen

Dieser Artikel behandelt das Thema Sekundärmarkt im Detail: die Ziele aus Sicht von P2P-Plattformen und die Funktionen des Sekundärmarkts für uns Investoren. Abschließend gibt es noch Tipps & Tricks zur Nutzung eines Sekundärmarkts, um teure Fehler zu vermeiden.

Definition Sekundärmarkt

Mit einem Sekundärmarkt ermöglichen P2P-Plattformen, dass Investoren die von Ihnen erworbenen Kredite an andere Investoren verkaufen können. Im Unterschied zum Primärmarkt findet der Handel damit nicht zwischen Darlehensanbahner und Investor, sondern zwischen Investoren untereinander statt.

Ziele aus Sicht der P2P-Plattform

Der wichtigste Markt für eine P2P-Plattform ist der Primärmarkt. Als Vermittler zwischen Anbahnern und Investoren werden hier die wesentlichen Transaktionen durchgeführt. Trotzdem bieten immer mehr Plattformen daneben einen Sekundärmarkt an. Dies geschieht in der Regel aus zwei Gründen:

  1. Zufriedene Investoren: Für viele Investoren ist das Vorhandensein eines Sekundärmarkts ein wesentliches Kriterium für eine Investition auf der Plattform. Die Plattformen müssen immer darauf achten, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kreditangebot und Kreditnachfrage zu gewährleisten. Während das Kreditangebot durch zufriedene Anbahner getrieben werden kann, sind zufriedene Investoren eine gute Basis für die Steigerung der Nachfrage.
  2. Zusätzliches Umsatzpotenzial: In den meisten Geschäftsmodellen ist die Nutzung des Primärmarkts für Investoren kostenfrei. Die Plattform verdient hier über Gebühren, die von Darlehensanbahnern bezahlt werden. Bei der Nutzung des Sekundärmarkts fallen jedoch teilweise Gebühren für Investoren an. Je nach Höhe und verkauftem Kreditvolumen kann dies für eine Plattform ein relevantes zusätzliches Einkommen sein.

Bei P2P-Plattformen die primär zur Refinanzierung eines einzelnen Darlehensanbahner gegründet wurden, fehlt der Sekundärmarkt. Dies ist zum Beispiel bei VIAINVEST für die VIA SMS Group oder Lendermarket für die Creditstar Group der Fall. Neues Kapital soll hier in die vom Darlehensanbahner angebotenen Kredite auf dem Primärmarkt fließen und nicht durch bereits refinanzierte Kredite auf dem Sekundärmarkt kannibalisiert werden.

Funktionen des Sekundärmarkts für Investoren

Für uns Investoren viel wichtiger ist jedoch die Frage, welchen Nutzen wir aus dem Sekundärmarkt ziehen können. Prinzipiell können wir die Funktionen nach unserer Rolle am Markt unterscheiden:

  1. Zusätzliche Einkaufsquelle: Zum einen können wir als Käufer von Krediten am Sekundärmarkt teilnehmen. Dies kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn am Primärmarkt zurzeit nur ein beschränktes Kreditangebot vorliegt. Bevor unser Kapital also brach liegt, kann ein Kauf von Anteilen am Sekundärmarkt sinnvoll sein. Ebenso finden wir teilweise günstiger angebotene Kredite, bei denen der Verkäufer einen Discount gewährt.
  2. Frühzeitiger Verkauf von Krediten: Daneben können wir auch als Verkäufer am Sekundärmarkt agieren. Dies ermöglicht uns den Verkauf von Krediten vor dem Ende der Laufzeit. Dadurch steigert ein Sekundärmarkt die Liquidität. Ebenso nutzen rationale Investoren den Sekundärmarkt im Rahmen ihres aktiven Risiko-Managements. Verschlechtert sich der Ausblick bei einem Darlehensanbahner wesentlich, so wird er aus unserer Auto-Invest-Strategie entfernt und die bestehenden Kredite werden auf dem Sekundärmarkt verkauft. Dies ermöglicht es uns, Risiken abzustoßen, bevor sie sich zu Verlusten materialisieren.
  3. Aktiver Handel: Der Vollständigkeit halber möchte ich auch das aktive Handeln mit P2P-Krediten nicht auslassen, das einen Sekundärmarkt voraussetzt. Hierbei erfolgt ein Kauf entweder auf dem Primärmarkt oder auf dem Sekundärmarkt. Anschließend werden die Kredite zu einem höheren Preis auf dem Sekundärmarkt wieder verkauft werden. Die Differenz ergibt unsere Handelsmarge.

Wie wichtig ist das Vorhandensein eines Sekundärmarkts?

Persönlich bevorzuge ich P2P-Plattformen, auf denen ein Sekundärmarkt existiert. Gleichzeitig nutze ich ihn relativ selten. Den überwiegenden Teil der Kredite kaufe ich am Primärmarkt und halte sie bis zum Ablauf oder Rückkauf durch den Darlehensanbahner. Verfolgt man grundsätzlich eine „Buy-and-hold“-Strategie, so kann diese auf dem Primärmarkt abgewickelt werden.

Trotzdem bietet das Vorhandensein eines Sekundärmarkts eine zusätzliche Flexibilität, wenn Kredite doch einmal vorzeitig liquidiert bzw. aus Gründen des Risiko-Managements abgestoßen werden müssen. Insbesondere in dynamischen Märkten ist diese Flexibilität sehr hilfreich. Einige der Ausfälle von Plattformen und Darlehensanbahnern waren Tage, wenn nicht sogar Wochen vorher absehbar. In solchen Fällen kann ein Sekundärmarkt einen eventuellen Kapitalverlust verhindern oder zumindest verringern. Entsprechend gilt: Je risikoreicher Darlehensanbahner bzw. Kreditprojekte, umso wichtiger ist mir das Vorhandensein eines Sekundärmarkts.

Tipps & Tricks für die Nutzung

Auch wenn ich selbst den Sekundärmarkt recht selten aktiv nutze, sehe ich in P2P-Foren viele Fragen und Fehler bei deren Nutzung. Daher sind im folgenden drei Tipps & Tricks gelistet, die jeder Investor vor der Nutzung des Sekundärmarkts berücksichtigen sollte.

  • Auto-Invest-Strategien sollten nur mit äußerster Vorsicht auf dem Sekundärmarkt angewendet werden, da hier viel Fehlerpotential besteht. Beispielsweise können diskontierte Kredite nach einer Steigerung des allgemeinen Zinsniveaus gar kein Schnäppchen mehr sein. Ebenso werden bei ersten Nachrichten zu einer wirtschaftlichen Schieflage eines Anbahners sofort dessen Kredite auf den Sekundärmarkt eingestellt, die eine automatische Strategie dann gegebenenfalls in großem Umfang einkauft.
  • Vor der Benutzung des Sekundärmarkts sollten Investoren die Regeln dieses Markts kennen. Insbesondere gilt es zu klären, wem bereits angefallene, jedoch noch nicht bezahlte Zinsen nach einem Verkauf des Kredits auf dem Sekundärmarkt zustehen. Ebenso unterscheiden sich die Plattformen in Bezug auf ihre Gebührenstruktur und Kriterien bzgl. wann Kredite nicht auf dem Markt angeboten werden dürfen. Zudem sollte vorab hinterfragt werden, ob nur der ursprüngliche Kreditanteil in Summe oder in beliebiger Stückelung erworben werden kann.
  • Für regelmäßiges „Trading“ eignen sich nur Sekundärmärkte ohne Gebühren. Als passiver Anleger treibe ich keinen Handel mit dem Ziel, aus der Marge zwischen Einkauf und Verkauf eine Rendite zu erzielen. Es gibt jedoch Investoren, die dies als zusätzliche Möglichkeit sehen, ihr Einkommen zu steigern. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die daraus erzielte Rendite auch in einem guten Verhältnis zum Zeitaufwand steht. Wird für jeden Handel eine Gebühr fällig, so ist dies sehr unwahrscheinlich.

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