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P2P-Kredite: Klassische vs. alternative Besteuerung

In diesem Artikel klären wir die Grundlagen für die Besteuerung der Einnahmen unserer P2P-Kredite an und vergleichen die klassische sowie eine alternative Form der Besteuerung an. Abschließend gehe ich darauf ein, welche Form ich für die Steuererklärung empfehle.

Steuerliche Grundlagen für P2P-Kredite

Disclaimer: Der Artikel enthält nach bestem Wissen zusammengestellte Informationen zur Besteuerung von P2P-Krediten in Deutschland. Er stellt jedoch keine steuerliche Beratung dar. Bei Fragen zu einzelnen Sachverhalten wendet Euch an einen Steuerberater bzw. das Finanzamt.

Nun aber zum eigentlichen Thema. Zu Beginn jedes Jahres steht für viele die Steuererklärung an. Investoren im Bereich P2P-Kredite stellt sich hier Frage, wie genau die Versteuerung der Gewinne erfolgt. Die Grundlage hierfür ist im Einkommensteuergesetz zu finden. Dort sind sieben Einkunftsarten beschrieben. Für uns relevant sind die Einkünfte aus Kapitalvermögen, worunter unter anderem „Erträge aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art“ – also auch P2P-Kredite – fallen.

Somit ist klar, dass wir unsere Einkünfte versteuern müssen. Unter Einkünfte fallen im Wesentlichen die Zinszahlungen der Darlehensnehmer und dies unabhängig, ob es sich um reguläre Zahlungen oder Verspätungsgebühren („late fees“) handelt. Sofern ihr am Sekundärmarkt mit Zu- oder Abschlägen gehandelt habt, zählt das Ergebnis daraus („Secondary market discounts“) ebenso dazu.

Nicht relevant sind erhaltene Cash back-Zahlungen und Boni, sofern diese in geringem Umfang anfielen. Sofern Verluste durch den Ausfall von Krediten auf Plattformen ohne Buyback-Garantie angefallen sind, können diese auch geltend gemacht werden. Dies geht jedoch nur, wenn der Kredit endgültig ausgefallen ist, d.h. der Inkasso-Prozess beendet ist.

Die entsprechenden Informationen finden sich auf den meisten Plattformen im Kontoauszug oder in eigenen Steuerberichten. Für die Summe der Einkünfte ist die Höhe des Steuersatzes ebenso im Einkommensteuergesetz definiert. Bei Kapitaleinkünften fallen die Kapitalertragssteuer in Höhe von 25 % an. Mit Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer landet man bei einem Steuersatz zwischen 26 % und 28 %. Sofern der persönliche Steuersatz niedriger ist, kann man diesen verwenden (Günstigerprüfung).

Klassische vs. alternative Besteuerung der P2P-Kredite

Die obige Betrachtung zeigt, dass im Einkommensteuergesetz recht klare Vorgaben für die Besteuerung von P2P-Krediten existieren. Inwiefern gibt es hier dann Spielraum für eine klassische und eine alternative Form der Besteuerung? Die Unterscheidung basiert auf einer unterschiedlichen Interpretation des folgenden Paragrafen:

Einnahmen sind innerhalb des Kalenderjahres bezogen, in dem sie dem Steuerpflichtigen zugeflossen sind. Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen, die dem Steuerpflichtigen kurze Zeit vor Beginn oder kurze Zeit nach Beendigung des Kalenderjahres, zu dem sie wirtschaftlich gehören, zugeflossen sind, gelten als in diesem Kalenderjahr bezogen.

Einkommensteuergesetz § 11

Kernpunkt ist hier die Frage, wann uns die Einkünfte zugeflossen sind. Die klassische Besteuerung behandelt Zinsen aus P2P-Krediten analog zu Zinsen auf einem Bankkonto. Sobald der Kreditnehmer zahlt und dies auf der Plattform angezeigt wird, gelten die Einnahmen als zugeflossen.

Die alternative Form der Besteuerung wurde von Luis Pazos in einem Gastbeitrag auf dem Blog von Lars Wrobbel aufgezeigt. Hier interpretiert der Autor, dass die Einnahmen erst dann zugeflossen sind, wenn man die Einkünfte vom Konto der P2P-Plattform auf das eigene Bankkonto zurücküberweist. Davor führen auf der Plattform erhaltene Zinsen nur zu einer Forderung auf Buchgeld gegen den Plattformbetreiber, nicht jedoch zu einem Zufluss von Einnahmen.

Die Folge der Anwendung der alternativen Besteuerung ist, dass keine Einnahmen anfallen, solange keine Entnahme von der Plattform erfolgt. Dies ermöglicht eine stärkere Nutzung des Zinseszinseffekts.

Bewertung der alternativen Besteuerung

Noch steht eine eindeutige Klärung zur Anwendbarkeit der alternativen Besteuerung aus. Das Thema wird immer wieder in Foren diskutiert, jedoch gibt es noch keine Urteile oder Beschlüsse der Finanzbehörden dazu. Persönlich werde ich meine Gewinne nach der klassischen Form versteuern.

Zum einen folge ich nicht der Argumentation, die der alternativen Besteuerung zugrunde liegt. Das durch Zinseinnahmen erhaltene Geld auf einer P2P-Plattform ist für Investoren jederzeit abrufbar. Ebenso nutzen wir das Kapital ja in Form von Reinvestitionen, verfügen also auch darüber.

Zum anderen ist die Komplexität bei der Berechnung der Besteuerungsgrundlage sehr hoch. Hier muss bei jeder Auszahlung von Kapital berechnet werden, wie hoch der Anlage- und wie hoch der Gewinnanteil ist. Eine einmalige Abrechnung zum Jahresende ist hier nicht möglich, sofern mehrere Auszahlungen während des Jahres vorgenommen wurden.

Letztlich sollte noch berücksichtigt werden, dass die Zahlung der Steuern nur nach hinten verlagert wird. Dies ermöglicht zwar die Nutzung des Zinseszins-Effekts, birgt aber auch die Gefahr, dass bei Änderungen im Steuerrecht ggf. höhere Steuersätze in der Zukunft fällig werden.

Empfehlung

Unabhängig ob ihr euch für die klassische oder die alternative Form der Besteuerung entscheidet, solltet ihr auf jeden Fall eine Steuererklärung abgeben. Während bei deutschen Bankkonten Zinsen direkt mittels Freistellungsauftrag abgerechnet werden, weiß das Finanzamt weiß nichts von den Gewinnen auf ausländischen P2P-Plattformen. Je nach Höhe eurer Kapitaleinkünfte (P2P-Gewinne und weitere Einkünfte wie Zinsen von Sparkonten oder Dividenden) bleibt ihr ggf. steuerfrei. Bei nicht verheirateten Personen beträgt der Sparer-Pauschbetrag 801 €.

Generell lautet meine Empfehlung, möglichst ausführlich und transparent Eure Einkünfte gegenüber dem Finanzamt darzulegen. Sollte das Finanzamt eine andere Auffassung zur Besteuerung eines Sachverhalts haben, so könnt Ihr so zumindest belegen, keine Informationen verheimlicht zu haben. Optimal ist aus meiner Sicht daher, eine Übersicht mit Zinsen, Verlusten, Sekundärmarktergebnis und Boni aller Plattformen als Anhang der Steuererklärung beizufügen.

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