Rational Investors

Analysen und Hintergrundinformationen zu Investments in P2P-Kredite

Grundlagen

Einflussfaktoren für den Zinssatz der P2P-Kredite

Bei der Anlage in P2P-Kredite möchten wir durch einen hohen Zinssatz eine möglichst hohe Rentabilität erreichen. Doch von welchen Einflussfaktoren hängt die Höhe des Zinssatzes bei P2P-Krediten genau ab? In diesem Artikel lernen wir die drei wesentlichen Faktoren kennen. Ein Blick in auf Kreditangebote in der Praxis zeigt jedoch, dass Kredite oftmals zu hohe bzw. zu niedrige Zinssätze aufweisen.

Einflussfaktoren für den Zinssatz

Wenn wir uns eine idealtypische Investition vorstellen würden, wie sähe diese aus? Klar ist, dass wir einen hohen ROI (return on investment) erzielen möchten und der Zinssatz entsprechend möglichst hoch sein sollte. Daneben spielen jedoch auch zwei weitere Faktoren eine Rolle. Zum einen möchten wir uns  Flexibilität erhalten.  Zum anderen bevorzugen wir Anlagen ohne  Risiken.

Wenn wir ein Angebot für eine Investition mit den oben genannten Eigenschaften finden sollten wir jedoch tunlichst die Finger davon lassen. Die Chance, dass es sich um einen Scam handelt sind bei nahezu 100 %, da es solche Kredite nicht geben kann.

Vielmehr haben wir es mit dem klassischen „Magischen Dreieck  der Vermögensanlage“zu tun. Die drei Ziele Rentabilität, Liquidität und Sicherheit konkurrieren miteinander. Dies bedeutet, dass wir z.B. bei gleicher Liquidität im Allgemeinen dann mit einer höheren Rentabilität erzielen können, wenn wir auch mehr Risiken eingehen, d.h. die Sicherheit sinkt.

Hierbei ist zu beachten, dass man das Dreieck immer relativ zur aktuellen Marktlage betrachten muss. In Zeiten mit sehr niedrigen Leitzinsen bringt uns eine sichere Anlage in Form von Tagesgeld quasi keine Zinsen ein. Bei P2P-Krediten werden wir für das Tragen der Risiken hingegen mit gut 10 % Zinsen entlohnt. Würde der Leitzins hingegen bei 5 % liegen, so müssten die P2P-Zinssätze entsprechend steigen.

Damit haben wir die wesentlichen Einflussfaktoren für Zinssätze bei P2P-Krediten bestimmt:

  1. Welchen Grad an Risiken tragen wir bei dem Kredit?
  2. Für welchen Zeitraum ist unser Kapital fix gebunden?
  3. Wie ist das aktuelle Marktniveau, insbesondere auch der Zins für eine entsprechende risikofreie Anlage?

Von der Theorie in die Praxis der P2P-Kredite

Schau man sich nun auf den unterschiedlichen P2P-Plattformen um, so zeigt sich, dass die Praxis oft von der Theorie abweicht. Bei der Analyse von konkreten Kreditangeboten wird man feststellen, dass sich die Zinsen nicht immer an das eben dargestellte theoretische Modell halten. Schauen wir hierzu einmal die Eckdaten zu zwei Immobilien-besicherten Krediten an, die aktuell auf der Plattform Estateguru angeboten werden:

Beispiel-Investition 1   Beispiel-Investition 2

Bei beiden erfolgt eine Investition nach Lettland für jeweils 18 Monate und wir erhalten einen Zinssatz von 11 %. Beide Angebote sind auch durchaus fair.  Allerdings fällt im Vergleich des Faktors Sicherheit auf, dass der LTV (die wichtigste Kennzahl für die Absicherung des Kredits) beim ersten Kredit nur halb so groß ist, der Kredit entsprechend viel mehr Sicherheitspuffer besitzt.

Aber auch der Vergleich unterschiedlicher P2P-Plattformen zeigt die Ineffizienzen in der Praxis. Die folgenden beiden Bilder zeigen das Kreditangebot des Darlehensanbahners Kviku auf den Plattformen Mintos und Viventor.

Da die Kredite von ein und demselben Darlehensanbahner stammen und alle mit Rückkaufgarantie ausgestattet sind, ist das Risiko bis auf das Plattform-Risiko identisch. Ebenso finden wir ähnliche Laufzeiten, sodass auch in Bezug auf die Liquidität keine wesentlichen Unterschiede bestehen. In der Theorie sollten hier annähernd gleiche Zinssätze vorliegen. In der Praxis liegt der Zinssatz auf Mintos jedoch bei 9,1 %, während bei Viventor die Kredite mit 14,1 % verzinst werden.

Noch stärker sind solche Abweichungen vom theoretischen Modell beim Vergleich der oben dargestellten Kredite mit manchen Investitionsprojekten auf Plattformen wie Crowdestor. Hier findet man teilweise Kredite mit gleichen Zinssätzen, jedoch ohne eine Absicherung durch Immobilien oder andere Vermögensgegenstände. Oftmals fehlen auch die relevanten wirtschaftlichen Kennzahlen zum Kreditnehmer, sodass man hier von einem ungleich höherem Risiko bei gleicher Rendite ausgehen muss.

Handlungsempfehlungen für P2P-Kredite

Für die eigenen Investitionen in P2P-Kredite sollten wir daher folgenden Empfehlungen folgen:

  1. Nicht nur auf Zinsen schauen, sondern immer auch das Risiko berücksichtigen. Immer wieder kommen neue Plattformen und Darlehensanbahner mit einer Promo-Aktion, in der es kurzzeitig 0,5 % mehr Zinsen gibt. Viele Anleger springen dann direkt auf das Angebot, ohne sich über das Risiko Gedanken zu machen. Ebenso nehmen sich einige Anleger nur die sehr riskanten Kredite ins Portfolio, da es hier etwas mehr Zinsen gibt. Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Risiken hier oft überproportional hoch sind.
  2. Neben Zinssatz und Sicherheit sollte auch auf die Liquidität geachtet werden. Hierbei ist zu beachten, dass längerfristige Anlagen nicht per se schlecht sind. Vielmehr wollen wir auch im Sinne einer breiten Diversifikation langlaufende Kredite im Portfolio haben. Dabei sollten wir jedoch immer im Hinterkopf haben, dass uns diese Kredite Flexibilität nehmen. Dies sollte entsprechend durch den Kreditnehmer in Form von leicht höheren Zinssätzen entlohnt werden.
  3. Anstatt starrer Regeln die auf fixen Zinssätzen beruhen sollte immer das Marktniveau berücksichtigt werden. Immer wieder lese ich in Foren Aussagen wie „Ich kaufe P2P-Kredite ab 8 %.“. Hier läuft man Gefahr, den Markt außer Acht zu lassen. Wenn ich beispielsweise in Hochzinsphasen mit Unternehmensanleihen des Ratings Ba3 bzw. BB- auch 8 % Rendite erziele, wäre es unsinnig, zum gleichen Zinssatz in P2P-Kredite mit weitaus höheren Risiken zu investieren.

Zusammenfassend gilt: Der rationale Investor versucht die Rentabilität zu maximieren, berücksichtigt dabei aber auch die Sicherheit, Liquidität und das aktuelle Marktniveau.

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